Cyberangriff auf französische Supermarkt-Kühlschränke

StefanW.

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Ich weiss, dass manche User hier es nicht mögen, wenn ständig heise-Artikel verlinkt werden. Aber nachdem es schon Vorfälle mit Kraftwerken gab, fragt man sich, was demnächst noch kommt.
"... dass rund 150 Intermarché-Filialen von dem Angriff betroffen waren. Demnach verschafften sich die unbekannten Angreifer Zugang zum Steuerungsgerät der Kühlsysteme und schalteten diese in den Abtaumodus. Dadurch stiegen die Temperaturen in den Kühl- und Gefrierschränken für etwa sechs Stunden auf 50 Grad Celsius an."
 
Auch wenn ich selbst gegen Lebensmittelverschwendung bin.
Ein Kühlpflichtiges Produkt was auf 50°C erwärmt wurde, entspricht keiner Lebensmittelverordnung.
Auch wenn es verschenkt wird, ist das Risiko an Folgeerkrankungen doch etwas zu hoch.
Ich bin da auch wirklich sehr nicht empfindlich und hier werden auch manchmal Milchprodukte wie Joghurt oder Quark noch verzehrt, selbst wenn sie Monate über dem Datum sind, aber bei 50°C von kühlpflichtigen (oder gar tiefgekühlten?) Produkten wäre ich auch vorsichtig. Andererseits weiß man ja gar nicht, ob die Produkte wirklich auch 50°C (Kern-)Temperatur hatten oder ob nur die Kühlgeräte auf diese Temperatur eingestellt waren. Bis die ausreichend Energie in die Produkte gesteckt haben, vergehen ja mindestens Stunden, ggf. sogar Tage, um solche Temperaturen zu erreichen. Bis das also bemerkt wurde, werden die Produkte wohl kaum auch nur annähernd diese Temperaturen gehabt haben. Und wenn die Produkte nun z.B. statt 2-7°C von mir aus 15°C im inneren hatten, dann ist tatsächlich vielleicht nur die Resthaltbarkeit deutlich herabgesetzt, aber zum baldigen Verzehr noch absolut geeignet. Selbst bei ein paar Stunden 25°C kann man die meisten Produkte wohl noch am selben Tag verzehren.

Lebensmittel bei denen die Kühlkette eingehalten wurde, können natürlich auch über das MHD verzert werden.
Es darf halt nur nicht mehr verkauft werden.
Das ist ein häufiger Irrglaube. Auch Lebensmittel, deren MHD bereits überschritten ist, dürfen noch verkauft werden: https://www.verbraucherzentrale.de/...datum-uberschritten-sind-noch-verkauft-werden
Was sich dadurch ändert, ist allerdings die Haftung: Ab jetzt haftet nicht mehr der Hersteller, sondern der Händler. Und er muss deutlich darauf hinweisen, dass das Datum überschritten ist. Nur ein Rabattschild reicht dafür nicht.
Tatsächlich habe ich das auch erst gelernt, als ich mal in einem winzigen Dorfladen in Süddeutschland eingekauft habe. Dort wurden solche Produkte nämlich noch verkauft, wenn der Laden sich sicher war, dass die Produkte noch genießbar sind, z.B. abgepacktes Gemüse, bei dem man optisch schon sieht, dass es noch okay ist oder Konserven, die ja sowieso ewig halten. Daneben hing dann ein Schild mit dem deutlichen Hinweis auf das überschrittene Datum sowie ein längerer Text mit der Erklärung, dass es eben *doch* erlaubt ist, die Produkte zu verkaufen.

Ich bin gespannt ob die Lebensmittelhändler den Kühlschrankhersteller nicht trotzdem verklagen.
Schadensersatz, Verdienstausfälle, Entsorgungskosten usw.
Je nachdem, was ihnen da zugesichert wurde oder was sie selbst verbockt haben, hätte ich das an deren Stelle getan. Der Schaden dürfte ja schon immens sein.
 
Ist sowieso absoluter Blödsinn, die Steuerung der Kühlung über das Internet vorzunehmen. Es hätte vollkommen ausgereicht, nur die Temperaturen zur "Kontrolle" auszulesen. An den Temperaturen muss eh nichts geändert werden, wenn sie einmal vor Ort richtig eingestellt sind.
Zum korrekten Einstellen der Temperatur (und der in diesem Zuge erforderlichen Dokumentation zwecks Nachweis der Einhaltung der Kühlkette) brauchst du aber geschultes Personal - und zwar eine ganze Menge, wenn du davon pro Filiale vier* Leute brauchst.
Das ist teuer. Billiger ist es, diese Steuerung in der Zentrale zu bündeln. Der jeweilige Marktleiter, bzw. sein Beauftragter, schaut dann nur noch gelegentlich lokal nach, ob die Remote ausgelesenen Temperaturen mit der Realität übereinstimmen.


Wie haben wir nur früher überlebt, als man Kühlschränke noch vor Ort eingestellt hat, analog..? Haben die überhaupt funktioniert?
Ob das funktioniert hat weiß heute keiner, denn die Anforderungen an die Dokumentation waren damals nicht so hoch wie heute.
Der Praktikant der damals morgens um fünf durch die Gänge gelaufen ist um Regale aufzufüllen hat geschaut ob das Licht im Kühlschrank an ist und nach Laune auch mal auf das Innenthermometer geschielt. Aber wenn das "iss kalt hier" gesagt hat dann war gut. Ob gestern nach Feierabend Stromausfall bis Nachts um drei war und die Kühlschränke seitdem auf Hochtouren liefen um wieder auf Solltemperatur zu kommen hat im Zweifelsfall keiner mitbekommen.

Das Problem ist nicht, dass die Geräte über das Internet steuerbar sind, sondern dass deren IT-Sicherheit nicht professionell betreut wird. Das ist keine Aufgabe die man dem Hausmeister nebenbei überhelfen kann. Dafür braucht man Fachkräfte mit entsprechenden Kompetenzen.** Die kosten wieder Geld, also verzichtet man auf sie, wenn man dazu nicht gesetzlich gezwungen wird (und der Zwang kontrolliert wird).

Aber das Problem haben wir an vielen Stellen. Vor ein paar Jahren gingen ja IT-Angriffe auf Krankenhäuser durch die Medien, die ganze Einrichtungen lahmgelegt haben. Da stellte sich teils heraus, dass der Oberarzt nebenbei auch die IT schmiss.
Keiner käme auf die Idee, den Admin in den OP-Saal zu stellen. Dazu ist er nicht qualifiziert und jeder sieht das ein. Aber bei IT geht so ein Pfusch. Ist ja schließlich nur so Computerzeugs. Diese Einstellung muss sich gesamtgesellschaftlich ändern, auch bei Privatleuten, über deren kompromittierte Geräte oft die Angriffe gefahren werden. So lange das nicht passiert werden wir in schöner Regelmäßigkeit ähnliche Vorfälle erleben.


*) Einer ist krank oder im Urlaub und die anderen müssen im 3-Schicht-System 24/7 die Einhaltung der Kühlkette aller Kühlschränke gewährleisten.
**) Kompetenzen sowohl was ihre Fähigketen als auch ihre Befugnisse angeht. So ein IT-Verantwortlicher muss in der Lage sein beurteilen zu können, ob neue Hardware langfristig wartbar ist, und wenn er zu dem Urteil kommt, dass das nicht der Fall ist, dann muss er ein Vetorecht bei der Beschaffung haben.
 
Billiger ist es, diese Steuerung in der Zentrale zu bündeln. Der jeweilige Marktleiter, bzw. sein Beauftragter, schaut dann nur noch gelegentlich lokal nach, ob die Remote ausgelesenen Temperaturen mit der Realität übereinstimmen.
Dagegen spricht ja nichts, solange die Remote-Steuerung innerhalb der Filiale erfolgt.

Zum "Rest": Die Kühlgeräte werden auf eine Temperatur fix eingestellt (Tiefkühl: ca. -20°C, Kühlregal: ca. 5-7°C) und es muss m.E. 24/7 nichts nachgeregelt werden. Die "Ausrede", dass nachts die Tagsüber erfolgte Erwärmung ausgeglichen werden muss, zählt nicht, da auch tagsüber die Temperaturen einen bestimmten Wert nicht übersteigen dürfen. Hinzu kommt, dass inzwischen fast alle Kühlgeräte mit Glasschiebedeckeln bzw. Glastüren versehen sind, um eine Erwärmung durch die Umgebungswärme zu minimieren.

Dazu braucht man der Dokumentationspflicht nachkommend nur Lesezugriff auf die Temperaturen, aber keine Schreibzugriffe von außen. Die Dokumentationspflicht obliegt der Filialleitung und nicht bei einem, der die örtlichen begebenheiten eh nicht kennt.
Ob Fisch, Fleich, Obst, Gemüse oder Torten - die Temperatureinstellungen der Kühleinheiten bleiben immer gleich. Gleiches gilt für die Kühlregale.

Der Zugriff von außen ist zudem eh unnötig, da der in einer "Zentrale außerhalb" sitzende Überwacher eh nicht weiß, welche Artikel in welcher Kühleinheit liegen - und das kann sich wöchentlich/saisonal ändern - also regelt man von -20°C auf -20°C um oder was? ;)

Was eine mögliche Alarmierung auf das Telefon des/der Verantwortlichen betrifft, benötigt man gerade mal einen nach außen zugelassen Port im Router, der eine Alarmierung per SMS/Mail rausschickt, ohne, dass eingehender Datenfluss notwendig ist. - WENN es einen deratigen Alarm gibt, benötigt man eh physischen Zugriff auf das Kühlgerät, um den Schaden zu beheben oder begrenzen (Sicherung einschalten, Deckel schließen, Ware umstauen bei Kompressorschaden etc.)
 
Dagegen spricht ja nichts, solange die Remote-Steuerung innerhalb der Filiale erfolgt.
Doch, dagegen spricht, dass du dann trotzdem pro Filiale eine geschulte Person brauchst, die das tut.

Zum "Rest": Die Kühlgeräte werden auf eine Temperatur fix eingestellt (Tiefkühl: ca. -20°C, Kühlregal: ca. 5-7°C) und es muss m.E. 24/7 nichts nachgeregelt werden.
Im Normalfall ist das richtg. Im Havariefall musst du aber nachsteuern, und zwar so zeitnah, dass eine gewisse Maximaltemperatur nicht überschritten wird. Sonst gilt die Kühlkette als unterbrochen und die Ware muss weg.
Dem könnte man in gewissem Rahmen entgegenwirken, indem man die Zieltemperatur eher niedrig einstellt um sich Zeit bis zum Ereichen der Maximaltemperatur zu verschaffen. Aber eine niedrigere Zieltemperatur ist wieder mit höheren Kosten verbunden. Hier besteht also ein Zielkonflikt.

Dazu braucht man der Dokumentationspflicht nachkommend nur Lesezugriff auf die Temperaturen, aber keine Schreibzugriffe von außen.
Die Dokumentationspflicht ist ja kein Selbstzweck. Sie dient dem Nachweis der Einhaltung der Kühlkette. Wenn diese Einhaltung in Gefahr gerät, dann muss jemand eingreifen, und zwar 24/7. D.h., du brauchst einen Bereitschaftsdienst der auch nachts um zwei eingreifen kann, und das darf aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht immer die selbe Person sein. So kommst du schnell auf die vier Mann Besatzung die ich ansprach.
Der Unterschied zwischen Schreibzugriff und reinem Lesezugriff ist, dass du bei Ersterem die vier Leute in ganz Deutschland, oder meinetwegen pro Bundesland brauchst, während du sie bei Letzterem pro Filiale brauchst.

Die Dokumentationspflicht obliegt der Filialleitung und nicht bei einem, der die örtlichen begebenheiten eh nicht kennt.
Stichwort Outsourcing.

Der Zugriff von außen ist zudem eh unnötig, da der in einer "Zentrale außerhalb" sitzende Überwacher eh nicht weiß, welche Artikel in welcher Kühleinheit liegen
Das braucht er auch gar nicht wissen. Alles was er braucht sind Ziel- und Maximaltemperatur.
 
Die Kurzform daraus ist schlicht smarte Endgeräte, die über das normale Internet verwaltet und gesteuert werden. Das wurde und wird seit jahren auch im Endverbrauchermarkt beworben und trifft von Heimgeräten über Solaranlagen usw. m.E. alle Bereiche, weil es ja voll cool ist, per App daheim die Rolladen, Waschmaschine, Kameras usw. steuern und überwachen zu können.

Die Version, dass die Kühlregale nur lokal überwacht werden und bei Ausfall ein Alarm an eine minimale Gruppe wie Marktleiter plus Stellvertreter oder eine Sicherheitsfirma plus Meldekette rausgeht, ist zu einfach?!

Immerhin hat man bei einem reinen Ausfall noch einen Puffer, wenn wie hier als "Sabotage" das Zeug bewusst unbrauchbar gemacht wird, hat das natürlich einen anderen Beigeschmack.

Wenn uns doch nur jemand gewarnt hätte vor dem ganzen smarten Gedöns...
 
Zuletzt bearbeitet:
Den Fernzugriff auf Lesen zu beschränken macht nur bedingt Sinn.
Dann besteht immer noch die Schwachstelle dass Geräte vor Ort sabotiert werden,
und ein hack die Meldung der Temperaturabweichung unterdrückt.
 
Unattraktiv für Angreifer, da viel aufwändiger und mit dem Risiko der Festnahme verbunden.
Das Risiko der Festnahme des Wegwerfagenten interessiert den Auftraggeber nicht wenn keine Spur zu ihm führt die nicht zumindest abstreitbar ist,
und genau der MO gehört ja für einige player zum Tagesgeschäft in dem sie Dekaden an Erfahrung besitzen.

Die Kosten des Aufwands liegen bei 500 Filialen vmtl unter 1M,-€
zB pro Täter/Auftrag 500,- für Anwerbung, 1k,- für den Auftrag selbst, grosszügige 200k,- pauschal für die Anwerber.
Wenn das kurz vor der Wahl, in Konjunktion mit dem was sonst noch so läuft, letztendlich das Zünglein in die gewollte Richtung schlägen lässt,
dann war die Summe aller Ausgaben für hybride Attacken und bots ein Spottpreis um ne freundliche Regierung zu kaufen.
 
das bestärkt mich wieder in meiner Einstellung, dass alles, was nicht unbedingt ins Netz muss, offline gehört. Ganz besonders kritische Basis-Infrastruktur. Vor allem im Zuge der KI Verbreitung ist das Risiko möglicher Attacken viel zu hoch. Kühlschränke gehören auch dazu. Die haben eine eine einzige Aufgabe. Eine definierte Temperatur halten. Dazu brauchen die kein Internet.
 
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