Remote-Desktop/ Gaming auch auf alten Thinkpads und von Unterwegs: Vorstellung Moonlight

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Da hier im Forum immer wieder die Frage aufkommt, welches Thinkpad gut für Spiele oder andere leistungshungrige Anwendungen ist möchte ich auf diesem Wege einmal eine Lanze für Remote-Zugriff brechen, spezifisch das Programm Moonlight. Probiert es aus wenn ihr mal auf der Couch oder unterwegs spielen möchtet oder gerne mal wieder euer altes Thinkpad nutzen wollt, welches euch sonst mittlerweile zu langsam ist.

Warum Remote-Zugriff?

Remote-Zugriff ermöglicht die Nutzung älterer Notebooks oder auch Smartphones, Tablets etc. als Client, welchen dann auf die volle Leistung eines Desktops Zugriff haben. Dies ermöglicht einerseits statt einer klobigen Workstation das Lieblings-Thinkpad mit besserer Akkulaufzeit zu nutzen und ist bei mehr Leistung auch zeitgleich günstiger - insbesondere wenn man auf gebrauchte Hardware zurückgreift. Andererseits wird die Nutzung älterer Geräte deutlich beschleunigt, welche als eigenständige Computer mittlerweile vielleicht etwas schwerfälliger sind.

Warum kein RDP/ VNC/ Teamviewer?

Teamviewer o.ä.mag zwar eine gute Lösung sein um bei Verwandten ein paar Probleme zu beheben, ist für tatsächliche Remote-Desktop-Nutzung aufgrund von Bildqualität und Latenz aber eine Qual. Auch die meisten anderen Arten von Remote-Zugriff sind technisch mittlerweile ziemlich altbacken und vor allem für schwache Hardware und geringe Bandbreite statt hohe Bildqualität und niedrige Latenz optimiert. Für einfache Anwendungen auf dem Desktop mag das in Ordnung gehen, spätestens bei Spielen, Videoschnitt oder Bildbearbeitung ist es dann aber vorbei.

Was ist Moonlight?

Moonlight basiert auf einem reverse-engineerten Nvidia Gamestream und encodiert den Bildschirm des Host-Gerätes als Videostream (über das Host-Programm Sunshine), welcher dann auf dem Client-Gerät wiedergegeben wird. Der Client gibt wiederrum Eingaben über beliebige angeschlossene/ verbundene Geräte (Maus, Tastatur, Trackpoint, Controller, Touchscreen) an den Host zurück.

Interessant ist, dass Moonlight/ Sunshine ohne große Belastung für den Host mit relativ geringer Latenz (~10ms) einen Stream in beliebiger Auflösung (8k möglich) und beliebiger Frequenz (240hz/ fps möglich) in AV1 (gut für geringe Bitrate aber anspruchsvoll für den Client), h265 oder h264 (geringste Latenz und Hardware-Decodierung durch viele Geräte unterstützt) encodiert.

Die Einrichtung ist dabei sehr einfach und man kann quasi direkt nach INstallation loslegen, ich ergänze bei Bedarf aber gerne einen kurzen Guide sowie Möglichkeiten zur Verbindung in anderen Netzwerken.

Eine Alternative zu Moonlight+Sunshine ist Parsec, allerdings sind hier mittlerweile viele Funktionen hinter einer Paywall versteckt und es werden deutlich weniger Geräte unterstützt.


Welche Geräte können Moonlight nutzen?

Moonlight kann sowohl auf anderen Windows/ Mac/ Linux-PCs aber auch auf Android oder iOS, RaspPi 4 und 5, ChromeOS, FireOS sowie mit etwas Gefrickel auf verschiedenen Konsolen und Handhelds wie der Xbox, PS Vita, WiiU, Switch sowie anderen Singleboard-Computern oder LG Smart TVs genutzt werden. Für das Thinkpad-Forum interessant: auch alte Laptops sind in der Lage, einen h264-Stream in 1080p60hz zu decodieren und haben dabei - sofern per Hardware decodiert wird auch noch ordentlich Akkulaufzeit. Folgende Thinkpads (und andere geläufige Geräte) unterstützen h264-Dekodierung:
  • Alle integrierten Intel-GPUs ab Core-i, dh. T410 und neuer sowie quasi alle integrierten AMD-GPUs ab ~2010/2011
  • Dedizierte GPUs ab dem T61/ T61p
  • Dekodierung in geringerer Auflösung durch dedizierte Grafikkarten im T60(p) möglich
  • die meisten Core2Duo sollten 1080p30hz oder 720p per Software-Decodierung stemmen (dann allerdings mit entsprechender Abwärme/ geringer Akkulaufzeit)
  • quasi jedes Smartphone/ Tablet
  • Wer sie noch lauffähig bekommt: Broadcom Crystal-HD-Decoderkarten (Kosten <10€) mit noch älteren Notebooks mit mPCIe-Anschluss (bspw. X41/ T41 etc.)

Somit kann also bereits ein ausrangiertes Smartphone mit Displayport-Alt-Mode, ein 20€-Thinclient (wie ein Fujitsu S520) oder ein 15 Jahre altes Thinkpad benutzt werden, um aktuelle Spiele zu spielen oder eben einen blitzschnellen Desktop unter den Fingern zu haben. Ich nutze es für recht profane Dinge: ich kann bequem mit meinem T440 auf dem Sofa aktuelle Spiele spielen, Youtube wiedergeben ohne den Akku leerzusaugen oder habe auch unterwegs Zugriff auf ordentlich Leistung für Python, Matlab, Gephi (oder Spiele ;) ). Das neuste Projekt ist, auf meinem Desktop gleichzeitig zwei Gaming-VMs laufen zu lassen und diese per Moonlight auf Laptops zu verteilen, um gemeinsam Baldurs Gate 3 zu spielen.
 
Das hab ich schon selbst vor 2 Jahren ausprobiert und funktionier ziemlich gut. Hatte in einem gemieteten Server eine GTX1080 und habe anfangs via Moonlight von zuhause gespielt, bin dann später aber zu Parsec (die kostenpflichtige Variante) gewechselt da die Out-of-the-Box besser und ohne "gebastel" funktioniert hat. Der Anbieter Shadow nutzt auch so eine Lösung für das Streaming des Online-Gaming-PCs, es sah aber dort auch sehr nach einem modifiziertem Parsec aus.
 
Danke für den Tipp, ich habs eben mal probiert. An nem X230 unter Debian einfach mal aktuelle Spiele mit 60fps spielen hat schon was.
Nervig ist, dass Nvidia nen Konto haben mag, wenn man NvidiaExperience nutzt, aber nun gut. Einrichtung sonst war echt ootb.

Auf meiner todo-Liste für dieses Wochenende steht schon der Test mit Pi am TV.
 
Verstehe ich das nun richtig, dass die Quelle (Streamingdienst oder eigener Gaming-PC) den Inhalt dann auf jedem Gerät streamen kann?

Quasi wie Stadia oder GeForce now dies zuvor gemacht hat?

Aber das ist jetzt ein Open source Projekt, das finde ich mega.

Tolle Idee, hab nur leider auch keine Gaming Hardware außer einer PS4 😂
 
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