LAN-Kabel-Typen: CAT.5/6/7/8, UTP vs. STP

dark_rider

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Hallo zusammen,

in diesen Tagen habe ich mich intensiver mit LAN-Kabeln beschäftigt, weil meine DSL-Zuleitung vom Telekom-Hausanschluss zum Router durch den Ersatz eines herkömmlichen Telefonkabels durch ein geschirmtes LAN-Kabel erheblich verbessert werden konnte.

Fragen, die sich dabei ergaben:
- Macht CAT.5(e) eigentlich noch Sinn, da diese Kabel ja generell UTP = ungeschirmt sind, oder bieten geschirmte CAT.6 und höher für den lokalen Anschluss von TP, Drucker, Streaming-Client, Smart-TV usw. an den Router oder als kurze Patchkabel im Schaltschrank eventuell gar keine Vorteile, sondern nur bei der Verlegung über größere Strecken und/oder parallel zu 230-V-Kabeln, die Störungen verursachen könnten?
- CAT.6 muss ja offenbar nicht zwingend geschirmt (STP bzw. S/FTP, S/STP oder F/FTP) sein, d.h. es gibt CAT.6 auch in UTP (ungeschirmt). Wo liegt dann der Vorteil von CAT.6 gegenüber CAT.5, sind die Kupfer-Adern dicker bzw. reiner?
- CAT.7 muss zwingend geschirmt sein. Warum verwendet man nicht schon einheitlich CAT.7 (mit RJ45-Steckern), wird dies nicht der kommende Standard?
- CAT.8 scheint bisher ein Nischenprodukt zu sein, auch mit RJ45-Steckern. Wird das trotzdem auf lange Sicht der zukünftige Standard?

Welche Kategorie verwendet Ihr, und warum?
 
Die CAT angabe sagt für welche Geschwindigkeit/Frequenz das Kabel ausgelegt ist.
Schirmung macht das Kabel unanfälliger für Störungen.
Wie du selbst herausgefunden hast ist für die höheren Frequenzen Schirmung pflicht.
Hier eine Tabelle der CAT angabe zu Geschwindigkeit/Frequenz:
https://de.wikipedia.org/wiki/Twisted-Pair-Kabel#Verbreitete_Twisted-Pair-Kabeltypen_(%C3%9Cbersicht)


Für neuanschaffungen gilt für mich:
Einfach tauschbare und/oder kurze Kabel: Das billigste geschirmte
Dauerhaft verlegte und/oder lange Kabel: Je nach Preis/Budget das für die höchste Frequenz
 
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Zum Thema Telefonkabel: http://bedienungsanleitung.elektronotdienst-nuernberg.de/impedanz.html
Ich habe daraufhin J-2Y(St)Y als Kabel bei mir in den stillgelegten Schornstein gelegt. Konkret das hier: https://www.voelkner.de/products/70...-St-III-Bd-2-x-2-x-0.28mm-Grau-Meterware.html
Der Effekt war hier auch gewaltig (vorher ~60-80 Mbit/s mit häufigen Abbrüchen, hinterher Leitungskapazität laut Fritzbox ~295 Mbit/s, synchronisiert mit 265 Mbit/s ohne Abbrüche). Allerdings lag das eher daran, dass das alte Kabel vermutlich irgendwo eine Stichleitung sowie einen Defekt hatte.

Zu Cat wurde ja schon gesagt, dass das erst einmal nur die mögliche Betriebsfrequenz angibt. Die Vorgabe der Schirmung entsteht teilweise nur indirekt dadurch. Und es gibt durchaus Kabel, die mehr Schirmung haben, als für die Erfüllung des Standards nötig wäre, wie z.B. geschirmte Cat 5 Kabel.

Wenn ich Leitung verlege, nehme ich das hier: https://www.voelkner.de/products/97...l-CAT-7-S-FTP-4-x-2-x-0.25mm-Orange-100m.html Kostet noch nicht die Welt, schafft mit 1200 Mhz aber Cat 7A und sollte mit 0,25mm² ggf. auch mal noch ganz ok für PoE geeignet sein.

Für 10GBase-T (10 Gbit Ethernet über Kupferkabel) reicht Cat 6/Cat 6A, je nach Leitungslänge, bei kurzen Leitungen kann es sogar über Cat 5 noch klappen, wenn auch außerhalb der Spezifikationen. NBase-T (2,5/5 Gbit/s) klappt dagegen auch über Cat 5/5E bis zu einer gewissen Länge.

Cat 7 braucht man für die derzeit gängigen Netzwerkstandards eigentlich gar nicht. Aber wenn ich Verlegekabel in die Wand lege, dann lieber einen Standard "zu viel" als irgendwann nochmal neu verlegen zu dürfen.

AFAIK gibt es keine RJ45-Stecker, die Cat 7 einhalten, außer den kaum verbreiteten GG45-Steckern.

Cat 8 ist für 25GBase-T und 40GBase-T, also 25 bzw. 40 Gbit/s Ethernet. Die 25er-Variante kann mit 1250 MHz auch noch knapp über so manches Cat 7A-Kabel gehen, aber die Spezifikationen schreiben Cat 8 vor. Bei 40 GBit kommt man mit 2000 Mhz um Cat 8 nicht herum. Die Standards sind aber bisher überhaupt nicht verbreitet. Selbst 10 Gbase-T sowie NBase-T sind ja jetzt erst so gaaaanz langsam im kommen. Cat 8 Kabel ist daher auch noch entsprechend teuer. Lustigerweise gibt es bei Cat 8 wieder RJ45-Stecker. Ich schätze, dass nicht die maximale Frequenz im Stecker das Problem war, sondern das Übersprechverhalten zwischen den Adernpaaren. Wenn man hier die Anforderungen gegenüber Cat 7 wieder abgesenkt hat, kriegt man es wieder durch RJ45-Stecker, obwohl das beim "Vorgänger" mit eigentlich geringeren Anforderungen nicht geklappt hat.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für DSL nehme ich J-2Y(St)Y (und nie J-Y(St)Y), für Netzwerk-Verlegekabel Cat 7A-Kabel mit 1200 MHz, für Patchkabel Cat 6 oder Cat 5/5E Kabel, je nach Länge und anzuschließendem Gerät. Für den 100Mbit/s-Drucker kaufe ich kein Cat 6 Kabel, für den per 10 GBit angebundenen PC natürlich schon.
 
Ich nutze hier, um Kabel in diversen Längen für mich, Freunde und bekannte zu machen, eine 100m Rolle cat 5e s/ftp patchkabel.

zu deinem Beispiel, bei mir ist es ähnlich, Telefonanschluss ist im Flur, die Fritzbox im Wohnzimmer. Zu der fritzbox gehen in einem Kabelkanal 3 lankabel, ein Telefonkabel und eine Stromleitung. Das vdsl läuft absolut stabil, es gab bis vor ein paar Woche keine verbindungsabbche.
ich nutze eins der lankabel als dslkabel von der telefondose mit dem avm tae auf rj45 Adapter.
 
J-Y(St)Y hat eine PVC-Isolierung und einen Folien-Gesamtschirm mit Beidraht, das führt zu einer hohen Kapazität (durch den Schirm, aber besonders durch das PVC als Dieelektrikum, ɛr von PVC liegt bei 4-5) und einer niedrigen Impedanz von 70 Ohm. Diese Fehlanpassung führt zu erhöhter Dämpfung (58 dB/km bei 4 MHz) und eventuell wohl auch zu Problemen am Impedanzsprung (Übergang von/zu diesem Kabelabschnitt).

J-2Y(St)Y hat zwar ebenfalls einen Folien-Gesamtschirm mit Beidraht, aber eine Isolierung aus PE, bei dem ɛr bei nur ca. 2,3 liegt. Das Kabel hat also eine geringere Kapazität und dadurch eine Impedanz von etwa 100 Ohm (darauf ist DSL ausgelegt), keinen ungewollten Impedanzsprung und eine Dämpfung von nur 43 dB/km bei 4 MHz.

43 vs. 58 dB ist aufgrund der logarithmischen Skala schon ein enormer Unterschied, bei hohen Frequenzen (VDSL2 mit Supervectoring müsste bis etwa 35 MHz gehen, wenn ich es richtig im Kopf habe), sind die Unterschiede noch deutlich extremer und könnten in der Größenordnung von an die 100 dB liegen. Der Unterschied zwischen den beiden Kabeln ist dann ungefähr auf dem Level "Kabel angeschlossen vs. Kabel nur lose in die Nähe gelegt". Oder anders gesagt: Wo es mit J-2Y(St)Y noch hervorragend klappt, kann bei J-Y(St)Y im oberen Frequenzsspektrum schon gar nichts mehr übrig sein. Und zwar wirklich praktisch gar nichts.

(Die Angaben für ɛr unterscheiden sich übrigens je nach Quelle leicht, der Bereich und die Unterschiede zwischen PVC und PE bleiben aber die gleichen)

Allerdings ist PE brennbar, während PVC selbst verlöschend ist, dafür ist PE aber halogenfrei, im Brandfall entstehen also keine agressiven/giftigen Gase, bei PVC dagegen schon. Wobei dann natürlich auch noch der Außenmantel interessant ist, hier geht es ja gerade nur um die Isolierung der Einzeladern. Vollständig halogenfreies J-2Y(St)H, bei dem auch der Außenmantel halogenfrei ist, habe ich aber auf die schnelle nicht auftreiben können, als ich hier neues Kabel verlegt habe.

Warum das nun aber 2Y statt Y heißt, weiß ich leider auch nicht. Bei den Nomenklaturen blicke ich auch nur begrenzt durch bzw. habe mich damit auch gar nicht genauer beschäftigt.

Quellen:
http://bedienungsanleitung.elektronotdienst-nuernberg.de/impedanz.html
https://www.itwissen.info/PE-Polyethylen-PE-polyethylene.html
https://www.tu-ilmenau.de/fileadmin...chaft_WSW/5._Fachsemester/2014-DieEig_WSW.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Dielektrikum
https://de.wikipedia.org/wiki/Permittivität
https://www.elektronikpraxis.vogel....ngen-immer-halogenfrei-sein-sollten-a-714994/
 
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Danke. Das macht mir mal wieder deutlich, dass ich bei Werkstoffkunde damals an der FH keine Leuchte war... :rolleyes:
 
Wo es mit J-2Y(St)Y noch hervorragend klappt, kann bei J-Y(St)Y im oberen Frequenzsspektrum schon gar nichts mehr übrig sein. Und zwar wirklich praktisch gar nichts.
Eignet sich J-2Y(St)Y (echt ein verdammt kryptischer Name) letztlich für VDSL-/Supervectoring-Signale (also vom APL zum Modem/Router) sogar noch besser als LAN-Kabel, liegen beide gleichauf, oder ist LAN-Kabel hier, falls möglich, zu bevorzugen?
 
Eignet sich J-2Y(St)Y (echt ein verdammt kryptischer Name) letztlich für VDSL-/Supervectoring-Signale (also vom APL zum Modem/Router)
Was meinst Du, was zwischen Zugangspunkt zur TAE-Dose liegt? - Das seit über 100 Jahren verwendete 2-adrige Kupferkabel (wie auch zwischen DSLAM und APL).

Das echte Glasfaserkabel, das die großen Anbieter propagieren, liegt nur zwischen DSLAM bis Backbone.
La und Lb-Drähte sind verdrillt, um Störungen zu reduzieren. - Das ist schon alles.
 
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Eignet sich J-2Y(St)Y (echt ein verdammt kryptischer Name) letztlich für VDSL-/Supervectoring-Signale (also vom APL zum Modem/Router) sogar noch besser als LAN-Kabel, liegen beide gleichauf, oder ist LAN-Kabel hier, falls möglich, zu bevorzugen?


Kommt drauf an.

Patchkabel (flexibles Netzwerkkabel) ist schlechter. Ungeschirmtes (UTP) vermutlich auch. Die Schirmung ist zwar in diesem Fall gar nicht so wichtig für die Schirmung an sich (wird eh nicht angeschlossen und schwebend benutzt), kann aber durchaus für eine passende Impedanz wichtig sein.

Ein gutes Verlegekabel müsste dagegen etwas besser sein als J-2Y(St)Y. Die Impedanz von ca. 100 Ohm, die DSL gerne hätte, sollte aber eingehalten werden und das hängt auch u.a. von der Dicke der Einzeladern usw. ab. Zumindest bei dem oben verlinkten Digitus-Kabel scheint das aber weiterhin eingehalten zu werden und eigentlich müssten die 100 Ohm auch für Ethernet der Standard sein, finde aber gerade keine Quelle.

In beiden Fällen sollte man auch drauf achten, dass die Adern wirklich aus Kupfer sind, und nicht nur kupferbeschichtetes Aluminium (gerne auch CCA für copper-clad aluminum genannt).

Aufpassen würde ich, mehrere Telefonanschlüsse durch das gleiche Netzwerkkabel zu schicken. Das kann ziemliche Probleme verursachen! Man lässt also 6 der 8 Adern im Netzwerkkabel brach liegen - und auch im Telefonkabel benutzt man das zweite Adernpaar nach Möglichkeit nur als Ersatz für das erste, wenn das erste Mal z.B. Kabelbruch erleidet. Falls es sich nicht vermeiden lässt, ist Cat 7 aufgrund der besseren Übersprechdämpfung zwischen den Adernpaaren dann aber wieder die bessere Wahl.

Ansonsten bekommt man J-2Y(St)Y meist etwas günstiger. Bei den Leitungslängen, um die es hier geht, ist der Unterschied zwischen geschirmtem Netzwerkkabel und gutem Telefonkabel (also nicht J-Y(St)Y) vermutlich aber nicht mehr sehr groß. Sowohl im Preis, als auch bei den elektrischen Eigenschaften.

Wichtig ist übrigens noch, dass man auch das zusammengehörige Adernpaar benutzt. Nicht einfach irgendwelche der vier/acht Adern benutzen.

Ach ja, ein Hinweis noch der Vollständigkeit halber: Am APL und auch am Kabel zwischen APL und der ersten Telefondose hat man als Endverbraucher nichts zu fummeln und das kann eventuell Ärger mit der Telekom geben, wenn das rauskommt. Verlegen kann man das Kabel natürlich selbst, anschließen im APL ist aber Aufgabe des Telekom-Technikers :)

Und Achtung: Dieser Beitrag basiert im Gegensatz zu meinem vorherigen auf deutlich mehr Vermutungen und Verständnis der Thematik meinerseits. Kann also durchaus sein, dass sich in diesem Beitrag Dinge finden, die sich am Ende nicht so bewahrheiten ;)

Und dann noch ein letzter Hinweis zum Schluss: In den meisten Fällen ist nicht das Kabel zwischen APL und 1. TAE Schuld. Dieses Kabel zu tauschen bringt also oft nur wenig. Bei mir war es eine große Veränderung, aber das ist eher die Ausnahme. Es macht also wenig Sinn, funktionierende Kabel auszuwechseln, wenn es keine Probleme gibt. Und noch weniger Sinn macht es, ein Cat 5/6/7-Kabel gegen J-2Y(St)Y oder umgekehrt zu tauschen.
 
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